Interview mit Joe Batdorf, Director für die DLS-Produktion bei Carbon

Carbon und OECHSLER sind seit 2016 strategische Geschäftspartner und treiben die Industrialisierung und Serienproduktion der additiven Fertigung im großen Maßstab voran. Joe Batdorf, Director for DLS Production bei Carbon, leitet Projekte für Großserienkunden und hat daher eine Schlüsselrolle beim Aufbau der ersten Carbon-basierten Serienproduktion bei OECHSLER in Deutschland gespielt und den Erfolg gemeinsamer Prestigeprojekte aus erster Hand erlebt. Joe wechselte 2016 als Head of Facilities and EHS zu Carbon und hatte seither verschiedene Positionen inne. Zuvor arbeitete er für die Regierung, in der Beratung und in der Produktion, zuletzt als Produktionsleiter bei einem Unternehmen für digitale medizinische Bildgebung. Nun gibt er exklusive Einblicke in seine persönliche Sicht bezüglich dem Potenzial und der Herausforderungen von Additive Manufacturing sowie seine Vision von der "Fabrik der Zukunft".

 

Wie sind Sie das erste Mal mit Additive Manufacturing in Berührung gekommen und wie haben Sie das Potenzial dieser Technologie erkannt und sich dafür begeistert?

Ich habe die additive Fertigung (AM) kennengelernt, als Carbon 2016 für ein Jobangebot auf mich zukam. Carbon war damals noch ein sehr junges Unternehmen mit einigen erstaunlichen technologischen Fortschritten. Während meines Gesprächs mit Joe DeSimone, dem Mitbegründer und erstem CEO von Carbon, stellte er mir sein Konzept der „Fabrik der Zukunft“ vor: eine flexible Produktion, die Produkte sehr schnell vom Prototyp in Massenproduktion bringen können. Sein Konzept, kombiniert mit einer Demonstration der Technologie, öffnete mir die Augen für das Potenzial von Additive Manufacturing für die Massenproduktion. Ich nahm die Stelle bei Carbon an und übernahm im Laufe der nächsten Jahre verschiedene Rollen, bis ich schließlich 2018 OECHSLER beim Aufbau und der Inbetriebnahme der ersten „Carbon-Serienfertigung der Zukunft“ unterstützte. Das war genau das, worüber Joe und ich bei meinem ersten Interview gesprochen haben.

Können Sie bitte die wichtigsten Vorteile und Besonderheiten von Carbons  DLS-Technologie hervorheben? Was kann Carbon leisten, was andere nicht können?

Carbon nutzt seine Fortschritte in den Bereichen Hardware, Software und Materialwissenschaft, um unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, qualitativ hochwertige Komponenten für den Endverbraucher so schnell und kosteneffizient wie möglich zu produzieren, wie es vorher nicht möglich war. Die Kombination von Carbons Druckertechnologie, Softwaretools und Materialeigenschaften ermöglicht eine High-Speed-Großserienproduktion. Carbon verfügt über ein Materialportfolio, dass die breit gefächerten Anwendungen und Bedürfnisse seiner Kunden erfüllt.

Wie würden Sie die allgemeine Vision von Carbon beschreiben? Welches Potenzial hat Additive Manufacturing aus Ihrer Sicht als Zukunftstechnologie?

Unsere Version ist es, es unseren Kunden zu ermöglichen, Produkte, die die Welt jetzt braucht, schnell zu entwerfen, zu entwickeln und in großem Maßstab zu produzieren. Es gibt viele Beispiele in der Großserienproduktion, die zeigen, dass mit unserer DLS-Technologie große Stückzahlen hergestellt werden können. OECHSLER hat dies durch die Skalierung einiger der bekanntesten Erfoglsgeschichten von Carbon bewiesen.

Wie wollen Sie diese Vision erreichen und was sind aktuell die größte Herausforderung?

Unser geschaffenes Ökosystem ist der Schlüssel um Carbons Mission zu erfüllen. Wir arbeiten mit OEMs und Kunden zusammen, um die nächsten großartigen Anwendungen zu entwerfen. Das Software-Team von Carbon arbeitet hart an der Entwicklung von Werkzeugen, die es Produktentwicklern ermöglichen, großartige Produkte zu entwerfen, die schon produktionsreif sind.

Eine der größten Herausforderungen, die wir angehen, ist die Annahme, dass Additive Manufacturing keine kosteneffiziente Fertigungstechnologie sein kann.  Unsere Plattform beweist, dass Kunden die Vorteile des 3D-Drucks (Designfreiheit, sonst unmögliche Geometrien, Markteinführung, Gewichtsreduzierung von Teilen usw.) in der Großserienfertigung auf kostengünstige Weise nutzen können.

Additive Manufacturing wird oft als eine Technologie für Rapid Prototyping, Rapid Tooling und Kleinserien angesehen. Wie erschließt man sich das Potenzial für Großserienprojekte mit Stückzahlen von weit über 100.000 oder sogar 1.000.000 Teilen pro Jahr?

Die Business-Development-Teams von Carbon und OECHSLER arbeiten tagtäglich mit OEMs zusammen und suchen nach Anwendungen, die von den Vorteilen von DLS profitieren werden.  Gemeinsam haben wir Teile für viele verschiedene Anwendungen in Serie gedruckt und damit bewiesen, dass es möglich ist.  Der Schlüssel liegt darin, aus dem Erfolg dieser Anwendungen Kapital zu schlagen und das Verständnis dafür zu verbreiten, dass die additive Fertigung mit DLS eine bewährte Option für die Großserienfertigung ist, die Möglichkeiten eröffnet, die mit keiner anderen Fertigungstechnologie gegeben sind.

OECHSLER und Carbon sind nun schon seit einiger Zeit Partner im Bereich der Additive Manufacturing. Welche Rolle spielt OECHSLER aus Ihrer Sicht für Carbon und in der Branche?

OECHSLER hat seinen Kunden, die AM als Fertigungslösung in Betracht ziehen, eine Menge zu bieten.  OECHSLER hat die Carbon-Technologie und alle damit zusammenhängenden Fertigungsabläufe übernommen, die zur effizienten Unterstützung der Großserienfertigung erforderlich sind. OECHSLER hat Erfahrung sowohl mit Groß- als auch mit Kleinserienanwendungen und kann auf 160 Jahre Fertigungserfahrung zurückgreifen.  OECHSLER kann seine anderen Fertigungstechnologien nutzen, um die Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen, und zeigt damit, dass das Unternehmen weit mehr als nur ein Auftragsfertiger ist.  OECHSLER verfügt über ein großes Team erfahrener Konstruktions- und Entwicklungsingenieure, die Lösungen für seine Kunden entwickeln.  OECHSLER agiert als echter Partner für seine Kunden.

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